Wir können nicht ewig zusehen, wie Produkte sterben

Im Gespräch mit Dr. Stefan Kampmann, CTO Osram Group

Dr. Stefan Kampmann: "Wir können nicht ewig zusehen, wie Produkte sterben"

Wenn Dr. Stefan Kampmann andere Menschen fragt, was sie mit dem Unternehmen Osram verbinden, antworten die meisten von ihnen immer noch mit dem Produkt Lampe. Dabei hat man das traditionelle Geschäft mit klassischen Lampen schon 2016 verkauft, es gehört längst der Vergangenheit an.

Stattdessen entwickelt Osram nun das Licht der Zukunft. Das Unternehmen konzentriert sich auf digitale Lichtlösungen und verfügt beispielsweise über ein marktübergreifendes Angebot an LED-, Infrarot- und Laserkomponenten für den Projektbereich und den Großhandel.

Kampmann ist CTO bei Osram und spricht im Podcast mit Panos Meyer über den Verkauf der Lichtsparte und die Neuausrichtung des Unternehmens. Man habe damals "am offenen Herzen operiert" und die Elemente, die Osram in die Zukunft tragen wollte, selbstständig definiert und am Markt positioniert.

Mit dem Neuanfang mussten sich natürlich auch die Mitarbeiter neu mit Osram identifizieren. Das Kernprodukt Lampe war schließlich weg. Doch Kampmann betont: "Wir können nicht ewig zusehen, wie Produkte sterben." Die Entscheidung war auch rückblickend die vollkommen richtige.

Der klare Schnitt, die Lampensparte zu verkaufen und den Blick konsequent nach vorne zu richten, war nötig. Denn er habe sehr dabei geholfen, die Mitarbeiter für die digitale Transformation zu motivieren.

Automobilbranche, intelligente Gebäude und Infrarotlicht

So ist Osram heute zum Beispiel sehr erfolgreich in der futuristischen Automobil- und Immobilienbranche tätig. Mit intelligenter Fahrzeugbeleuchtung und vernetzten Lichtkomponenten für ganze Gebäude arbeitet das Unternehmen am Puls der Zeit.

Doch natürlich muss man den Blick gleichzeitig auch schon auf neue Umsatzströme richten, um langfristig erfolgreich zu sein.

Kurzfristig sieht Kampmann etwa im unsichtbaren Infrarotlicht große Möglichkeiten, neuen Umsatz zu generieren. "Smartphones erkennen zum Beispiel selbstständig schon sehr viel von unserer Umwelt." Das Entsperren über die Gesichtserkennung funktioniere zum Beispiel nur, weil Photonen ein Gesicht mithilfe einer Infrarot-Lichtquelle messen.

"Das sind neue Produkte, die Osram schafft", erklärt Kampmann. "Über diese Sensor-Elemente können wir den Wertstrom erweitern, den wir dem Kunden liefern." Mit diesen Technologien ist Osram zum Beispiel auch als Zulieferer bei großen Herstellern von Mobiltelefonen gelistet.

Osram und die Mobilität der Zukunft

In der Gegenwart und Zukunft sind auch Automobil und Mobilität ein ganz wichtiges Thema. "Wir machen heute 50 Prozent unseres Geschäfts im Automotive", sagt Kampmann. Der Bereich verfüge durch seine technischen Möglichkeiten über unheimlich großes Zukunftspotenzial.

In der Automobilbranche habe Osram beispielsweise Lichtsysteme, die Tausend Lichtpunkte, an- und ausschalten sowie dimmen können. "Wenn uns ein Fußgänger entgegen kommt, können wir ihn ausblenden und sein Umfeld sehr hell beleuchten. So sieht der Fahrer den Fußgänger, ohne dass dieser geblendet wird."

Wir machen heute 50 Prozent unseres Geschäfts im Automotive.

Wie Osram seinen Wandel zu digitalen Technologien im Detail vollzogen hat, welche wichtige Rolle die Firma beim Bau neuer Gebäude einnimmt und wie sie auch das autonome Fahren mit weiterentwickelt, erfährst du in der neuen Folge des "Behind The Screens"-Podcast, den du hier auf Soundcloud, iTunes oder Spotify direkt und kostenlos anhören kannst.