Wer nicht twittert, verliert
Im Gespräch mit Sören Stamer

Damals noch als reines Content-Management-System gestartet, hat Sören Stamer als einer der Gründer und CEO von CoreMedia das Unternehmen zu einer Digital-Experience-Plattform umgebaut. Auch wenn er selbst den Begriff nicht mag - er beschreibt gut, was CoreMedia macht: Sie orchestrieren digitale Kundenerlebnisse.

Im Behind The Screens-Podcast mit CELLULAR-Geschäftsführer Panos Meyer spricht Sören Stamer weniger über sein Produkt, sondern über den Wandel der Kommunikation. Es geht u.a. um Storytelling von Trump, Jesus und Hitler und um die Frage, was der Datenskandal von Facebook mit der #MeToo-Debatte zu tun hat.

“Twitter hat bewiesen, dass es ein mächtiges Werkzeug ist”

“Wir leben in einer Zeit radikaler Vernetzung, in der alles, was ich sage, sehr stark resonieren kann.” so Sören Stamer. Ein Tweet reicht in der heutigen Zeit, um Karrieren zu beenden oder erfolgreiche TV-Serien in Stunden abzusetzen.

Im Jahr 2008 ging Sören Stamer eine Wette ein: Demnach würden zehn Jahre später, also 2018, auch die Vorstände von deutschen Unternehmen und Dax-Konzernen aktiv twittern. “Das war vielleicht zu optimistisch. International ist das eingetreten, aber nicht in Deutschland.”, resümiert er. Aber Twitter hätte sich durchgesetzt und u.a. dem amerikanischen Präsidenten Trump in sein Amt geholfen. Auch klassische Marken wie z.B. T-Mobile USA nutzten die neuen Kommunikationswege, um ihre Beliebtheit massiv zu beeinflussen.

“Jeder muss kommunizieren!”

Schon 1997 erkannten Sören und seine Mitgründer, dass jeder kommunizieren muss, denn jeder Inhalt hängt mit Transaktionen zusammen. Nach dem Bau ihres CMS verbuchten sie bei CoreMedia in den Folgejahren Wachstumsraten von über 100 Prozent Die erste Krise kam dann 2003, als CoreMedia die größten Kunden Telekom und Vodafone verlor. “Das war eine schwere Zeit, Menschen zu entlassen.”, erzählt Sören.

Mittlerweile reicht ein reines CMS aber nicht mehr aus, denn die Wertschöpfung hat sich verschoben. War es anfangs noch das reine Management der Inhalte, ist es nun die Orchestrierung der Nutzererfahrung. So könne man jetzt schon für einen Shop in Indonesien genau einstellen, wie der Japaner, der dort morgen landet, das Ganze auf seinem iPhone wahrnimmt.

“Deutsche Ingenieurskunst ohne Kommunikation ist wenig wert.”

Vor allem am Beispiel von Tesla sieht man, wie wichtig Kommunikation ist. Elon Musk als verrückter Visionär erreiche die Leute und vor allem die, die es sich leisten können. Bereits in den 2010er Jahren wurde deutlich, dass in den Stadtteilen San Franciscos mit den höchsten Einkommen nur noch Teslas gekauft wurden. Das hätte ein Warnsignal für BMW und Mercedes sein müssen, doch man berief sich weiter auf die deutsche Ingenieurskunst, die laut Sören ohne die neue Dimension der Kommunikation nicht viel wert ist.

Warum man - auch als CEO - nicht existiert, wenn nicht kommuniziert wird, Trump ein Branding-Genie ist und Storytelling so wichtig für den Erfolg aller Business-Modelle in der Digitalisierung ist, das erläutert Sören Stamer in der neuen Folge des Behind The Screens-Podcast.