Mobilität ist ein Urtrieb

Im Gespräch mit Florian Walberg

Vom Boygroup-Star zum Elektromobilität-Experten

Florian Walberg hat vor sieben Jahren Walberg Urban Electrics gegründet und in Eigenregie Elektroroller gebaut, lange bevor die meisten an Elektromobilität gedacht haben bzw. es überhaupt eine rechtliche Grundlage dafür gab. Davor hatte er – wie er selbst sagt – in den 90er Jahren eine “bewegte Vergangenheit” als Sänger der deutschen Boyband Bed & Breakfast. Als das Kapitel beendet war, ging es für Walberg als Tourmanager hinter die Bühne. Während dieser Zeit bewegte er sich immer öfter mit einem kleinen, faltbaren Elektroroller fort, der seine Leidenschaft für das Thema entfachte.

“Man muss die Politiker auch an die Hand nehmen”

2019 könnte für Florian Walberg DAS Jahr werden, denn das deutsche Gesetz wird angepasst und Elektroroller werden erstmals im Straßenverkehr zugelassen. Diese dürfen dann bis zu 20 Kilometern pro Stunde auf Fahrradwegen fahren. Der Fahrer muss mindestens 15 Jahre alt sein und einen Mofa-Führerschein oder eine andere Fahrerlaubnis besitzen. Außerdem ist eine Versicherungsplakette Pflicht, ähnlich wie Mofas und kleine Motorroller, Helme sind jedoch nicht vorgeschrieben. Auf diese Gesetztesänderung angesprochen, sagt er verständnisvoll: “Man muss die Politiker auch mal an die Hand nehmen. Sie können sich nicht in allen Bereichen auskennen.” In Walbergs Augen sei es vor allem ihre Aufgabe, bürokratische Hürden abzubauen. Dazu brauchen Politiker keine tiefen Fachkenntnisse, sondern mehr ein Gespür für Innovationen.

Die Anpassung der Gesetzeslage wird dieses Jahr zu einer großen Veränderung führen, da große Player den Markt mit viel Geld besetzen wollen. Genau das fehlt Florian Walberg mit Walberg Urban Electrics, da das Unternehmen nach wie vor ohne Fremdkapital auskommt. Doch er ist mit seinen langjährigen Branchenerfahrung sehr gelassen und optimistisch: “Ich bin dadurch für alle großen Unternehmen der – positiv gesehen – Fachidiot in dem Bereich.”

Warum die Hardware am Ende entscheidend sein wird

Bezüglich des Kampfes “Software vs. Hardware” hat Walberg ebenfalls eine klare Meinung: “In Zeiten eines Goldgräber-Booms machst du das meiste Geld, indem du Schaufeln verkaufst.” Genau aus diesem Grund wird Walberg Urban Electrics bei der Roller-Produktion bleiben und nicht in Software investieren, da nach der Gesetzesänderung zahlreiche Sharing-Anbieter in die Städte drängen werden, so Walberg. Am Ende gewinnt dann derjenige mit der besten Hardware – wobei es vor allem auf Stabilität und Fahrgefühl ankommt. Walberg sieht hier mit seiner Erfahrung den Vorteil, den Nutzern die bestmögliche Erfahrung bieten zu können. Er hofft daher auf große Deals mit Mobility-Konzernen und Sharing-Plattformen.

“Mobilität ist ein Urtrieb”

Wie so oft bei technischen Innovationen und Trends kommt auch der Roller-Boom aus den USA. Warum nur konnten die kleinen Vehikel dort einen beispiellosen Siegeszug bis zu uns antreten? Die Mobilität ist laut Walberg ein menschlicher Urtrieb, denn jeder muss von A nach B kommen und das am besten unabhängig und individuell – und das auch bei kleinen Strecken wie der letzten Meile. Zudem sind kleine kompakte Fahrzeuge eine Sache der persönlichen Entfaltung bzw. ein “Identifikations-Thema”.

Das Ganze scheint auch für Walberg zu funktionieren, der den Umsatz laut eigenen Aussagen dieses Jahr verfünffachen wird und – sofern alle Hardware-Deals klappen – sogar Aussicht auf ein fünfzigfaches Wachstum hätte.

Warum Florian Walberg dennoch kein Google 2.0 werden will, er Politiker noch öfter an die Hand nehmen möchte und warum ihm ein geregelter Alltag wichtig ist, erläutert er in der neuen Folge des Behind The Screens-Podcast, den du hier auf Soundcloud, iTunes oder Spotify direkt und kostenlos anhören kannst.