Software-Entwicklung

Digitaler Pustekuchen

SaaS-Lösungen und White Label-Produkte mögen in manchen Bereichen sinnvoll sein – allerdings führen sie selten zu Innovationen. Entscheider:innen sollten sich deshalb dringend stärker mit ihren Software-Investitionen beschäftigen. Schließlich sind sie der Erfolgsfaktor dafür, dass Unternehmen auch nachhaltig in der virtuellen Welt eine Rolle spielen.

“Es ist nicht cool, keine Ahnung vom Internet zu haben.” Diesen schönen Satz hat der viel geschätzte Christoph Bornschein, Gründer und CEO der Digitalagentur TLGG, einmal gesagt. Der Ausspruch ist Jahre alt und ganz langsam kommt Bewegung in die Chefetagen. 
Allerdings dreht sich die Welt weiter: War es früher nicht cool, keine Ahnung vom Internet zu haben, ist es heute nicht sehr smart, keine Ahnung von Software und ihrer Entwicklung zu haben. “Software is eating the world” beschreibt Marc Andreessen es, Co-Gründer der Venture Capital-Firma Andreessen Horowitz. Simpler formuliert, wie ich es in meinem Freundeskreis gehört hab, heißt es: “Alles wird Code.”
Unsere Zukunft liegt nicht dort, wo sie im Nachkriegs-Deutschland zu verorten war – weder im physischen Maschinenbau noch im Stahlgeschäft, sondern selbstredend in der Software. 
So weit die alte Leier. 

Zukunft lässt sich nicht als fertiges Stück Software kaufen

Und obwohl die Erkenntnisse schon eine Weile in der Welt sind, ist das Verständnis unter Führungskräften noch immer lückenhaft. Viele Entscheider:innen glauben, dass sie sich die Zukunft als ein fertiges Stück Software kaufen können. Dass die Lösung all ihrer Probleme in einem Verkaufsregal liegt, die Software as a Service (SaaS) heißt und von einem der nächsten Startup-Einhörner stammt. Und das ist nicht mal verwunderlich, wenn selbst renommierte Medien Andreessens Zitat abändern, indem sie propagieren, dass Services nun die Software schlucken. 

Doch – sorry – das ist digitaler Pustekuchen!

Insbesondere bei Software entsteht die Magie nicht aus der Summe ihrer Teile – sie liegt in der Individualität. Und hier beginnt das notwendige Know-how der Entscheidungsträger:innen. Ihnen muss klar sein, dass aus einem Stück SAP Hana und etwas Contentfull kein digitales Wunderkind entsteht. Ergebnisse dieser Prozesse sind immer Mittelmaß - wie soll aus Standardlösungen auch Exzellenz entstehen?

Whitelabel-Lösungen befördern Mittelmaß und Durchschnitt

In der analogen Beraterwelt wird wochen- und monatelang um USP oder komparative Konkurrenzvorteile gerungen. Um dann ironischerweise in der digitalen Welt davon auszugehen, dass die Unterscheidung des Angebots vom Wettbewerb durch die Vernetzung weniger Standardkomponenten möglich sei.

Selbstredend gibt es Bereiche, in denen die Best-of-Breed-SaaS-Lösungen sinnvoll sind, allerdings liegen die außerhalb der wahrnehmbaren Prozesse der Konsument:innen. Für Kund:innen sichtbare Services und Leistungsunterschiede entstehen nicht durch das gleiche Interface – das auch der Wettbewerb benutzt –, nur in anderer Farbe. Sie entstehen durch individuelle (Software-)Lösungen – zugeschnitten auf die Kundenanforderungen. 

Daher, liebe Entscheider:innen: Hört bitte auf, die Lösung eurer digitalen Herausforderungen im Kundenkontakt in ein paar Plugins zu suchen. Beschäftigt euch mit eurer Software genauso intensiv wie mit anderen Investitionsentscheidungen. Eine optimale Software ist der Erfolgsfaktor dafür, dass ihr auch nachhaltig in der virtuellen Welt eine Rolle spielt.

Autor

Panos Meyer
CEO
pm@cellular.de