Betriebssysteme

Apples Spagat zwischen Datenschutz und Werbeindustrie

Kommende Woche veröffentlicht der Techkonzern mit iOS 14.5 das nächste Update für iPhones und iPads. Durch die Neuerung wird die Möglichkeit der Geräteerkennung beim Tracking stark eingeschränkt. Vertraut man Apple, bedeutet dies eine deutliche Verbesserung des Datenschutzes.

Apple kommt durch die Hintertür: Bereits mit der Betriebssystemvariante iOS 14 wollte der Techkonzern eine Geräteidentifikation (IDFA) verhindern und hat sich deshalb mit der Werbeindustrie und großen digitalen Anbietern angelegt. Der Aufschrei war so groß, dass Apple die Einführung schließlich verschoben und eine neue für Werbetreibende wichtige API hinzugefügt hat. Jetzt – mit dem Update von iOS 14.5 – wird die Nutzung der IFDA (The Identifier for Advertisers) allerdings stark eingeschränkt. 

Doch was bedeutet das?

Das Internet basiert auf freien Services. Nur wenige Webangebote schaffen es, privaten Kunden digitale Angebote zu verkaufen. Das Internet funktioniert trotzdem, da Nutzer:innen bei jedem Schritt im Internet Spuren hinterlassen. Fügt man diese Spuren zusammen, lernt man die User kennen und kann zum Beispiel zielgerichtet Werbung ausspielen. Ähnlich wie Fernsehsender werden diese freien Services also durch Werbung finanziert. 

Tracking ist das Zauberwort zum Verfolgen der Spuren. Das Tracking findet aber nicht nur über Cookies auf Webseiten statt, sondern auch in Apps. Damit man User noch besser kennenlernt, gibt es ein Tracking, dass auch Website- oder App-übergreifend funktioniert. Apple hat in iOS zum Beispiel eine pro Gerät gültige Werbe-ID integriert – die IFDA. Diese hat den großen Vorteil, dass nicht ein User, sondern nur das Gerät eindeutig identifiziert werden kann. Werbetools haben diese Funktion integriert. Werden diese in verschiedenen Apps genutzt, ist somit ein Tracking über verschiedene Apps leicht möglich. Die Werbetools können somit die beste Werbung je Nutzer:in ausspielen. Die Apps bekommen dadurch nicht nur eine einfache Integration eines Trackings, sondern werden auch noch an den Werbeerlösen beteiligt. Somit gewinnen eigentlich alle Parteien. Die Firma, die Werbung schaltet, um Produkte zu verkaufen, die Werbeindustrie, der App-Hersteller und auch die User, da sie nur relevante Werbung sehen. Sollten diese nicht getrackt werden wollen, können sie das alles auch abschalten. 

Ist also alles gut? 

Neben allen sinnvollen Anwendungsfällen gibt es selbstredend auch Nachteile. Sämtliche Daten der Nutzer:innen werden irgendwo gespeichert und gesammelt. Die Smartphone-Besitzer:innen werden zunehmend gläsern und die Möglichkeiten der Auswertung immer größer. 

Horrorszenario könnte sein, dass User keine Risikolebensversicherung bekommen, weil sie sich einen Fallschirm gekauft haben.

Oder die Krankenkasse kündigt, weil man zu viel Tiefkühlpizza kauft. Außerdem ist durch das zentrale Speichern der Daten die Gefahr eines Datenlecks gegeben und somit ein nicht gewolltes Weitergeben der Daten möglich. Plötzlich weiß der Nachbar, dass ich mir eine Säge gekauft habe, rein zufällig kurz bevor der Ast seines Baumes abgesägt wurde…

Als User hat man kaum die Möglichkeit zu prüfen, in welcher App welches Tracking genutzt wird. Nichtmal Entwickler:innen wissen genau, was in dem Tracking Code enthalten ist. Es werden einfach vorgefertigte Bibliotheken genutzt. Der hohe Innovationsdruck und die schnellen Entwicklungszyklen unterstützen den Trend, dass ungeprüft  Bibliotheken integriert werden. Dadurch wird ein Missbrauch von Nutzerinformationen immer leichter.

Apple hat sich nun also entschieden, das App-übergreifende Tracking weiter einzuschränken. Damit eine App die IDFA nutzen kann, müssen die Nutzer:innen dem zuerst zustimmen. Das Neue an Apples Ansatz ist allerdings, dass sich das Betriebssystem darum kümmert, dass die User den Zugriff auf die IDFA freigeben. Dies wird als Opt-In bezeichnet. Nutzer:innen haben also im Vorfeld die Möglichkeit zu entscheiden. Zuvor war es nur vorgeschrieben, dass man die Nutzung der IDFA abschalten kann. Dieser Ansatz wird Opt-Out genannt. 
Apple hat freilich ein starkes Interesse daran, dass Werbetreibende die iOS Plattform weiter unterstützen, stellt nun jedoch die eigene Plattform und damit auch den Datenschutz in den Vordergrund. Der Zwang zum reinen Opt-In Mechanismus ist insbesondere im Bereich der Erfolgsmessung von Werbeaktionen (Konversion) unheimlich hinderlich. Allerdings hat Apple hier vorgesorgt und für Entwickler:innen ein neues Framework bereitgestellt, welches genau in diesen Bereich zielt. 

Apple hat ein Geschäftsmodell, welches nur zum Teil auf Werbung basiert. Apple steht für digitale Produkte und eine ausgeklügelten Infrastruktur, welche die verschiedenen Produkte nahtlos verknüpft. Nutzer:innen sollen sich einfach und geschützt in der digitalen Welt bewegen können. Mit der Einschränkung einer Nutzung der Geräteerkennung und dem Ermöglichen eines anonymeren Trackings von Werbekampagnen versucht Apple hier den Spagat zwischen Datenschutz und Werbeindustrie. 

Jeder Schritt, den Nutzer:innen wieder mehr Kontrolle über ihre Daten zu geben, ist zu begrüßen.

Apple schaltet sich in die Kommunikation zwischen Nutzer:innen und Werbetreibende und verspricht eine Anonymisierung. Vertraut man Apple, führt dies zu einer starken Verbesserung des Datenschutzes.

Autor

Robert Repnak
CTO
rrepnak@cellular.de